<br> Der Eichenkernkäfer,<br> Platypus cylindrus<br> (Fabricius, 1792), ist eng an die Gattung Eiche (<br> Quercus<br> spp.) gebunden, deren Arten ökologisch, kulturell und wirtschaftlich von großer Bedeutung sind. Er ist ein tief in das Xylem eindringender Ambrosiakäfer, der sich primär von seinen mutualistischen Nahrungspilzen ernährt. Nach Jahrzehnten, in denen der Eichenkernkäfer in Deutschland kaum beachtet wurde, wird sein Vorkommen seit einigen Jahren wieder vermehrt beobachtet, vor allem an frisch gefällten oder lagernden Eichenstämmen während seiner Flugzeit von Mitte Juni bis September. Dies kann zu einer erheblichen technischen Entwertung des betroffenen Eichenholzes führen. Durch den Klimawandel, insbesondere infolge der zunehmenden Schwächung von Eichenbeständen durch Hitze- und Trockenstress sowie andere Schadinsekten gewinnt er wieder an forstwirtschaftlicher Bedeutung. Deshalb fasst dieses Review den aktuellen Kenntnisstand zur Taxonomie, Biologie, Lebensweise, Symbiose und forstlichen Bedeutung von<br> P. cylindrus<br> zusammen, beleuchtet historische Gradationen und analysiert, wie Klimawandel und weitere Schadinsekten dessen Rolle als potenzieller Schadorganismus verstärken. Basierend auf einer umfassenden Literaturrecherche und der Analyse historischer Quellen wurde der Kenntnisstand systematisch aufbereitet. Ergänzend wurden eigene hochauflösende Bildaufnahmen zur detaillierten morphologischen Darstellung von<br> P. cylindrus<br> erstellt sowie die Geschichte und Lebensweise der Ambrosiakäfer aufgearbeitet. Neben der Biologie und Symbiose wurden historische Gradationen dokumentiert, die bereits im 20. Jahrhundert zu massiven technischen Entwertungen von Eichenstämmen führten. Solche Schäden stellen bis heute eine große Herausforderung für Forstwirtschaft und Sägewerksindustrie dar, da befallenes Holz seine Nutzbarkeit verliert. Der Klimawandel verändert Flugzeiten und schwächt Wirtsbäume, wodurch<br> P. cylindrus<br> verstärkt Chancen zur Besiedlung vorgeschädigter oder absterbender Eichen erhält.<br> <br> <br> Platypus cylindrus<br> kann mehrere Laubbaumarten besiedeln, auch wenn er eine klare Präferenz für die Gattung<br> Quercus<br> hat.<br> P. cylindrus<br> stellt aufgrund seiner engen Pilzsymbiosen und seines sich möglicherweise erweiternden Wirtsspektrums ein wertvolles Modellsystem für Insekt-Pilz-Wechselwirkungen dar, gleichzeitig aber auch ein potenzielles Risiko für die Forstwirtschaft. Eine integrierte Betrachtung seiner Biologie, seiner Rolle als Indikator für klimabedingte Stressphasen in Wäldern sowie seiner wirtschaftlichen Bedeutung ist erforderlich, um fundierte Strategien zum Schutz und Erhalt von Eichenwäldern zu entwickeln.<br>